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sen’FIT

Körperliche Mobilität bis in das hohe Alter

Am Tübinger Universitätsklinikum Zentrum für Physiotherapie trainieren Senioren ihre Fitness

17.10.2019
Sarah Eisenschmid demonstriert, mit welchen Übungen die Teilnehmer des Gleichgewichtstrainings am UZP für die Wahrnehmung ihres Körpers sensibilisiert werden und wie sie ihn gegen die Schwerkraft im Gleichgewicht halten können.

Sarah Eisenschmid demonstriert, mit welchen Übungen die Teilnehmer des Gleichgewichtstrainings am UZP für die Wahrnehmung ihres Körpers sensibilisiert werden und wie sie ihn gegen die Schwerkraft im Gleichgewicht halten können.

Während ihr linker Fuß auf einer kleinen Kunststoffmatte steht, jongliert Sarah Eisenschmid in Schrittstellung mit beiden Händen einen Ball. Konzentriert verfolgen die Augen der 30-jährigen Physiotherapeutin die Flugbahn der roten Kugel. „Das ist nur eine von vielen Übungen, mit denen wir das Gleichgewicht unserer älteren Klienten trainieren“, erklärt Eisenschmid. Als nächstes balanciert die Therapeutin ein transparentes Rohr, in demeine blaue Flüssigkeit hin und her schwappt, weil sie abwechselnd mit dem linken und dem rechten Bein auf einer schwabbeligen Insel steht.

Sarah Eisenschmid und ihre Kolleg(inn)en vom Tübinger Universitätsklinikum Zentrum für Physiotherapie (UZP) arbeiten im neunten Stock des Gesundheitszentrums in hellen freundlichen Räumen. Durch die großflächigen Fenster fällt nicht nur viel Tageslicht auf die Geräte zur Sturzprophylaxe. Sie bieten den Besuchern auch einen reizvollen Panoramablick über Tübingen und die Schwäbische Alb.

„Die meisten Teilnehmer unserer Präventionskurse zur Sturzprophylaxe beginnen ab einem Alter von 65 Jahren“, beobachtet Eisenschmid. In zwölf Terminen lernen sie es, sicher durch den Alltag zu gehen. Dabei spielt der Muskelaufbau eine zentrale Rolle. Zudem werden im Kurs spezielle Stell- und Stützreaktionen des Körpers, die der Verhinderung von Stürzen dienen, neu angebahnt und befestigt.

Für Menschen im hohen Alter sind Stürze besonders gefährlich und machen nicht selten die Operation eines gebrochenen Oberschenkelhalses erforderlich. Weshalb das Präventionsprogramm am UZP auch eine psychologische Komponente beinhaltet: Die Teilnehmer stärken ihre Selbstvertrauen und reduzieren die Angst vor einem Sturz.
   

Zwölf Physiotherapeuten trainieren am UZP mit ihren Klienten auch am Barren oder mit einem System von Seilen und Schlingen, wie sie eine Rumpfspannung aufbauen und den Körper gegen die Schwerkraft im Gleichgewicht halten. „Die Teilnehmer sollen auch für die Wahrnehmung ihres Körpers sensibilisiert werden“, stellt Eisenschmid fest. „Dazu dient auch ein Koordinationstraining, das den Kopf einschließt und bei dem sie sich auf unebenem Untergrund bewegen.“

In Gruppenkursen und im Einzelunterricht lernen Senioren am UZP auch, wie sie sich bei einem Sturz so abfangen können, dass sie ihn möglichst ohne ernste Verletzungen überstehen. Und sie bekommen Tipps, wie sie nach einem Sturz wieder aufstehen können.
   


„Muskelkraft kann bis in das hohe Alter aufgebaut werden.“

Sarah Eisenschmid
Physiotherapeutin am UZP


Die Fitnessgeräte zum Kraftaufbau im 10. Stock des Gesundheitszentrums nutzt das UZP gemeinsam mit der Abteilung Sportmedizin der Uniklinik. „Muskelkraft kann bis in das ho- W he Alter aufgebaut werden“, betont Eisenschmid. „Ein 50-Jähriger muss dafür allerdings mehr Zeit investieren als ein 30-Jähriger, denn junge Körper reagieren schneller auf das Training. Und ab 80 Jahren geht es eher um den Erhalt der Kraft.“

Das breite Spektrum an Therapien, die am UZP angeboten werden, reicht von der Krankengymnastik über die Lymphdrainage bis zum Faszientraining und der Hot-Stone-Massage. Alle Präventionskurse am UZP können mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Das gilt auch für die Bobath-Therapie für Patienten mit Erkrankungen am zentralen Nervensystem, wie sie etwa als Folge eines Schlaganfalls auftreten. Durch gezielte Stimulation werden dabei physiologische Bewegungen aufgebaut und mit häufigen Wiederholungen automatisiert. „Damit werden die Patienten in die Lage versetzt, ihren Alltag wieder weitgehend selbstständig bewältigen zu können“, so Eisenschmid.
  

Sarah Eisenschmid zeigt ihren Patient(inn)en auch am Modell, wie sie den Beckenboden trainieren können. Bilder: Stefan Zibulla
Sarah Eisenschmid zeigt ihren Patient(inn)en auch am Modell, wie sie den Beckenboden trainieren können. Bilder: Stefan Zibulla

Ab November wird am UZP ein neuer Kurs mit Beckenbodentraining für Frauen angeboten. Von dieser Methode, die in Tübingen mitentwickelt wurde, profitieren Menschen, die unter Harnverhalt sowie unter Harn- oder Stuhlinkontinenz leiden. Damit diese Patienten die Motorik ihres Beckenbodens kennenlernen und die Kontraktion der Muskeln gezielt steuern können, setzen die Therapeuten neben Spiegeln auch ein Videocontrolling ein. Dabei wird der Beckenboden des Patienten gefilmt und in Echtzeit vergrößert und gespiegelt auf einem Monitor wiedergegeben.

„Bei Bedarf unterstützen wir die Aktivierung des Beckenbodens mit einer Elektrotherapie“, sagt Sarah Eisenschmid. „Und wir bringen den Patienten bei, wie sie in verschiedenen Situationen mit Inkontinenz umgehen können - beispielsweise beim Treppensteigen oder wenn sie nießen müssen.“ Das Beckenbodentraining im UZP, das jede Woche ein bis zwei Termine von jeweils 20 Minuten umfasst, wird von weiteren Übungen ergänzt, die von den Teilnehmern zu Hause absolviert werden können.

Info

Das UZP präsentiert seine Angebote auf der sen‘FIT. Am UZP-Stand können auch einige Trainingsgeräte getestet werden. Von 13.30 bis 13.50 Uhr stellt das UZP im Vortragsraum das Tübinger Beckenboden-Konzept vor.
   

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