Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere Informationen
Anzeige

Kultur & Veranstaltungen

Ach du dickes Landei!

Beim Eröffnungsball treibt die Narrenzunft Horb nicht nur eine Sau durchs Dorf, sondern gleich ein ganzes Rudel

08.02.2019
Grafenpaar Horb Christoph und Manuela Straub. Bilder: Karl-Heinz Kuball
Grafenpaar Horb Christoph und Manuela Straub. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Wer braucht noch den Wald mit Dolinenlöchern in Ahldorf? Keiner! Die Narrenzunft löst das Problem. Das Silicon Däle als Hotspot der künstlichen Intelligenz (natürliche ist ja nicht wirklich vorhanden) ist im Werden. Große Investitionen in unsere Metropole der Provinz kündigen sich an. Zentral abgelegen bieten wir Weltkonzernen eine Spielwiese zur Selbstverwirklichung.

Mark Zuckerberg von Fazebuk hat schon angefragt, er geht nach Dießen und stellt als erstes einen Funkmast auf, der eine Reichweite bis zur Rückseite des Mondes hat. Elon Musk will unbedingt nach Dätsail und dort das selbstfahrende Tesla-Leiterwägele entwickeln. Bill Gates kommt nach Altheim, dort seien die Leute etwas besser gebildet als im Rest von Horb, a paar Mettstetter dät er auch noch nehmen. Ahldorf ist raus, denn Logistik ist künftig unnötig. Und nach Betra und Dale will keine Sau, außer Huawei. Aber das sollte man sich genau überlegen. Es sei denn, man richtet im Dalemer Steinbruch eine Chinatown für die ganze Region ein. Der Kulinarik täte es sicher gut mit Spezialitäten wie Hundert-Tage-Eiern, gesottenen Hennenfüßen und Rostschneckenragout.


Horber Fasnet

Im Schweinestall Daniel und Markus Wagner.
Im Schweinestall Daniel und Markus Wagner.
Allerlei Experten mit dabei

Das Landleben bietet viele Fallstricke, deshalb braucht es Experten zu allerlei ländlichen Themen. Unsere Hasenfutterund Matschfood-Influencerin empfiehlt, dass man wieder Eier essen sollte, auch wer zu viel Cholesterin in der Blutbahn hat. Gebraten und gesotten, dazu ein bißle Feinstaub aus der Luft und Acrylamid von knusprigen Pommes – das stählt den Menschen ungemein.

Falls doch nicht, hilft der Bergdoktor vom Priorberg. Da Sie inzwischen mit Putenschnitzel locker ein Päckle Penicillin ersetzen können, können Sie ja gleich den für Federvieh und sonstiges Ziefer zuständigen Arzt fragen. Auch beim Rindvieh zieht sich der Ischias über den Arschbacken, die Richtung ist die gleiche. Ein rabiater Viehdoktor hilft bei allen Anomalien, ob am Hinterlauf, am Vorderhuf oder bei Maul- und Klauenseuche.

Denken wir an Viecher, so erlebt gerade der Esel eine Renaissance. Schon die heilige Familie hatte einen Esel im Stall stehen. Diesem in Vergessenheit geratenen genügsamen und willigen Nutztier wollen wir uns mit besonderer Liebe widmen.

Was die Stadtverwaltung oft schmerzhaft verspürt, wenn sie ein Baugebietle ausweisen will, ist ein Problem mit Familien, die sich bisher gut verstanden, aber noch nicht „teilt“ haben. Wer kriegt des Krautland und wer des Baumwiesle? Wer kriegt die Damast- Bettwäsch von der Oma und wer muss die betagte ledige Tante behalten? Das dauert, denn auf dem Land gibt es mehr zu verteilen, als eine schrumpelige Geranie auf einem Minibalkon in der Stadt.

Dorfband „ Dana’s Bitches“.
Dorfband „ Dana’s Bitches“.
Mini-Rock-Festival

Auf dem Dorf wächst auch überall das musikalische Potential zum Weltstar und der blechernen Schallplatte. Andreas Gabalier kommt aus einem Kaff in Österreich, Andrea Berg wohnt im Nest Kleinaspach, Miley Cyrus stammt aus Flatwoods Kentucky. Da hat unsere Band „Dana´s Bitches“ die besten Voraussetzungen für eine Weltkarriere. Extra wegen ihnen steigt die Stadt jetzt mit vollem Risiko ins Mini- Rock-Festival ein und sichert sich gleich mal einen Teil der Tantiemen von der geplanten Welttournee. Demnächst wird Horb schuldenfrei sein dank Dana ´s Bitches!

Und da wäre noch unser bodenständiges Grafenpaar, dem es vor nix graust, was auf zwei oder vier Füß angewackelt kommt. Den Umgang mit ländlichem Getier muss man den beiden nicht beibringen. Hier läuft jede Henn nur im gesteckten Zaun, jede Sau im Gatter und jeder Ochs am Nasenring. Wer es sich mit ihnen verdirbt, muss den Stall ausmisten oder beim Bulldog Ölwechsel machen. Deshalb ist größter Respekt für unsere beiden Herrscher vom Hohenberg nötig, es gibt an ihrem Hof zahlreiche Frondienste zu erledigen und die meisten verursachen bei Ungeübten sackrisches Kreuzweh.

Eine volle Halle in der Provinz mit Mensch und Tier auf Tuchfühlung braucht eine gewisse Ordnung. Dafür hat die Zunft extra eine Profi-Sennerin gebucht: Appolonia von der Zauselalm. Sie ist keine Widerrede gewohnt, denn auf der Zauselalm sagt nur eine, wo der Speckbollen hängt: sie selbst. Falls jemand dauernd dazwischengackert oder ungefragt Käse verzapft, dann ist Vorsicht geboten. Fräulein Appolonia ist Weltmeisterin im Zwiebel-Zielschießen und sie trifft jeden Epfel.

Unser wunderbarer Küchenchef hält sich an heimische Äcker und Ställe: es wird gegessen was aus der Gegend direkt auf den Tisch kommt und mit was Generationen von Landeiern sauber und gesund aufgewachsen sind.

Da insbesondere Großvieheinheiten mehr Flüssigkeit benötigen als Menschen, kommen zwei Bars zum Einsatz. Die Hühner- Scheuer als Tränke für alle Chicks, Chickas und deren stramme Begleiter. Und die Metropol- Cocktail-Bar mit allem was gerade in New York, Shanghai, St. Tropez und Huangshen über den Tresen geht.

Die Getränke stammen zum Teil aus regionalem Wildwuchs, sind schonend von zarter Frauenhand gesammelt und mit einheimischem Vorlauf angesetzt, da duckt sich jede Bazille freiwillig weg. Eine Auswahl: Eierlikör, Tannenwipfelbräu, Rotkleeschnäpsle, Gaggelesbosch-Brand, milchsauer vergorener Sauerkrautsaft, Asbach-Buttermilch, Grombieren-Geist, Hasenbabbel-Gin.

Nun hofft die Zunft, dass für alle Geschöpfe gesorgt ist: für Bibbele und Gänsle, für Schafsböck und Hornochsen, für Charakterschweine und Glücksferkele, für Tigerkätzle und Raller, für laute Göckel und süße Angorahäsle, für Stallburschen und Haustöchter, für Mistlachenfahrer und Butterfaßdriebler, für Melkerinnen mit zarten Händen und filigrane Blaukrautsetzlinge.

Wie immer dabei: unsere Party- Band „Hoppla“. Getanzt wird aber erst, wenn gemolken ist.

Der XXL-Party-Schopf öffnet um 18 Uhr, um 19.30 Uhr startet mit dem Einmarsch der Narrenzunft die große Landpartie. Es gibt noch ein paar Karten bei Imeldas Bio-Book-Store.

Datenschutz